Die Türkische Regierung schließt das Priesterseminar des Klosters Mor Gabriel im Tur’Abdin

Volume 6, issue 2 (winter 1998-1999)

Die Türkische Regierung schließt das Priesterseminar des Klosters Mor Gabriel im Tur’Abdin
von Gabriel Rabo

Im April 1998 wurde das Kloster Mor Gabriel von der türkischen Regierung angegriffen und ist möglicherweise von einer Strafe bedroht. Dies ist innerhalb von sechs Monaten das zweite Verbot von syrischer Lehrtätigkeit im Tur’Abdin durch die türkischen Behörden. Der Metropolit von Tur’Abdin wird sich endlich mit Rechtsmitteln gegen die türkische Regierung wehren und verwirrende Gesetze gegenüber den Syrern in der Türkei ändern lassen.

In einem am 12.4.1998 datierten Schreiben forderte die türkische Regierung die Leitung des Klosters Mor Gabriel auf, die Lehrtätigkeit am Priesterseminar zu beenden. Das Dokument (B02VGM1080002-2/7) wurde von M. Metin Önal, dem Provinzialdirektor des Generaldirektorats für Stiftungen von Diyarbakir (Vakifler Bölge Müdürlügü), unterzeichnet und an den Stiftungsratsvorsitzenden des Klosters Isa Gülten adressiert. Die türkische Behörde verbietet aber auch jegliche Neubauten und Renovierungen im Kloster Mor Gabriel, welche sofort stillgelegt werden mußten und seit April ruhen. Das gleiche Verbot wurde im Oktober letzten Jahres auch an das Kloster Dayr Za’faran verhängt, das Schlagzeilen in den westlichen Medien machte und eine Diskussion zwischen türkischen Abgeordneten und dem Innenministerium auslöste (Kolo Suryoyo 119, 11-15 berichtete darüber). Der Provinzialdirektor von Diyarbakir beschuldigte den Stiftungsrat des Klosters Mor Gabriel, daß dort ohne Genehmigung Bau- und Renovierungsmaßnahmen durchgeführt worden seien. Nach dem türkischen Kultur- und Denkmalschutzgesetz 2863, §§ 2 und 6 steht das Kloster – so der Direktor – unter Denkmalschutz und daher ist eine Genehmigung für die Renovierungsvorhaben durch das Kultusministerium erforderlich. Als Anlaß für diese verhängten Maßnahmen gab Önal ein ihm vorgelegtes Gutachten über das Kloster an: Bei einer am 26.11.1997 durchgeführten Kontrolle durch die türkischen Inspektoren wurden im Kloster Mor Gabriel Renovierungs- und Baumaßnahmen festgestellt. Dabei handelte es sich um eine Ummauerung des gesamten Klosterkomplexes, die das Kloster vor den Überfällen schützen sollte, aber auch um eine Freilegung der inneren Seitenmauern der Hauptkirche des Klosters, welche im Jahre 512 durch den byzantinischen Kaiser Anastasius I. (491-518) gebaut wurde. Nach anderen Informationen blieb das byzantinische Deckmosaik im Altarraum unberührt, aber die zwei Fresken seien verschwunden.

Ferner konfrontierte der Direktor den Stiftungsrat des Klosters damit, daß trotz der Ausgaben und Einkünfte des Klosters die gemeldete Geldsumme unangetastet blieb, und er forderte sie auf, die Renovierungsausgaben und alle anderen Geldquellen des Klosters bei der Haushaltsabrechnung für das Jahr 1998 mitzuberechnen und den staatlichen Stiftungsbehörden vorzulegen. Er weiß augenscheinlich nicht, daß das Kloster Mor Gabriel und andere kirchliche Institutionen ausschließlich von Spenden finanziert werden. Eine staatliche Unterstützung für syrische Kirchen und Klöster oder Priester in der Türkei ist ein Tabu, wobei die moslemischen Moscheen und Institutionen, Imame oder Religionslehrer von der türkischen Regierung finanziert werden. Für Moslems ist ein Ministerium für Religiöse Angelegenheiten (Diyanet Isleri Bakanligi) eingerichtet, das sich als Nachfolger des Scheichülislam in einem sogenannten “laizistischen Staat” versteht.

Der wiederholte Vorwurf des türkischen Provinzialdirektors sowohl in diesem Schreiben an das Kloster Mor Gabriel, als auch in dem an das Kloster Dayr Za’faran vom letzten Jahr ist, daß das Ziel der Klosterstiftungen nicht die Ausbildung der Schüler sei. Aus diesem und den oben genannten Gründen wird ein gerichtliches Strafverfahren gegen den Stiftungsrat des Klosters in Angriff genommen, so die türkische Behörde.

Der Metropolit Mor Timotheos Samuel Aktas von Tur’Abdin, der in dem selben Kloster residiert und sich seit Jahrzehnten um die Sanierung des Klosters bemüht, is völlig entsetzt. Er erklärte gegenüber der Los Angelos Times (s.u.): er werde eher sterben, bevor er erlaubt, daß das verhängte Verbot durch die türkischen Autoritäten durchgesetzt wird. Nach weiteren Informationen aus näheren Kreisen will er mit Rechtsmitteln gegen die kontinuierlichen Erlasse entgehen. Die beiden Metropoliten von Tur’Abdin und Istanbul wollen ein juristisches Gremium aus Anwälten bilden und eine Erlaubnis aus Ankara zum Syrisch- und Religionsunterricht durchsetzen. So hat die syrisch-katholische Gemeinde in Istanbul diese Erlaubnis bereits erhalten. Diesen Rechtsschritt hätten die Syrer in der Türkei schon lange machen sollen, und zwar als 1978 der Unterricht in den beiden Klöstern Dayr Za’faran und Mor Gabriel verboten wurde. Es wäre auch nicht zu spät, wenn jetzt die Satzungen der Klosterstiftungen geändert und die konkreten Ziele der theologischen Ausbildung darin formuliert würden.

Noch besser wäre es, wenn ein Antrag auf die Anerkennung der Syrer als eine Minderheit in der Türkei gestellt würde. Der Lausanner Vertrag (1923) nennt nur die Armenier, Griechen und Juden als nationale Minderheiten. Unter einigen türkischen Autoren gibt es seit den 70er Jahren eine neue Ideologie, in der sie behaupten wollen, daß die Syrer Türken und türkische Rasse seien, türkisches Blut und eine türkische Abstammung hätten. Ihr Fazit lautet: “Deswegen zählen wir sie … keinesfalls zu einer Minderheit und lehnen eine solche Nennung stark ab” . Gerade auch wegen solcher Angriffe benötigen syrische Sprache, syrische Kultur und syrische Religionsausübung den gesetzlichen Schutz einer Anerkennung als Minderheit.

English/German summary:

http://www.gwdg.de/~grabo/news/morgabriel-tr.html

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1600-jähriges Jubiläum des Klosters Mor Gabriel*

von Gabriel Rabo

Das Kloster Mor Gabriel im Tur ‘Abdin wird in diesem Jahr 1600 Jahre alt. Es wurde durch “Anweisung des Engels” im Jahre 397 gegründet. Dort versammelten sich im Laufe seiner Geschichte unzählige Mönche und es wurde zur Ruhestätte für über “zwölftausend Heilige”. Das Kloster war von 615-1049 Bischofssitz vom Tur ‘Abdin und war dann bis 1915 eine eigene selbständige Diözese. Seit 1600 Jahren werden liturgische Prozessionen begangen und Hymnen im Kloster — ausgenommen Verfolgungszeiten — gesungen. Das Kloster, das sich noch heute als Zentrum der Diözese vom Tur ‘Abdin behauptet, hat eine geistlich geprägte Geschichte hinter sich. Dabei ist es eine Schutzburg und Wallfahrtsort für die Syrer und es wird sogar als das zweite Jerusalem bezeichnet. Mor Philoxenos von Mabug (+523) schreibt über die Bedeutung des Klosters: Wer siebenmal mit Ehre und Furcht das Kloster besucht, das vom Engel gegründet wurde, erwirbt dasselbe Verdienst, als ob er Jerusalem besuchen würde.

Jubiläumsfeier in der fernen Diaspora

Als eine inoffizielle Jubiläumsfeier zum 1600jährigen Bestehen des Klosters Mor Gabriel veranstaltete die Evangelische Akademie Hofgeismar im Rahmen ihres jährlichen Programmes eine Tagung vom 21. bis 23. März 1997. Sie wurde in Zusammenarbeit mit dem “Mar Gabriel-Verein zur Unterstützung der syrischen Christen” in Hamburg vorbereitet. Das Programm sollten auch die beiden Erzbischöfe Mor Timotheos Samuel Aktas vom Tur ‘Abdin, dessen Residenz sich im Kloster Mor Gabriel befindet, und Mor Philoxenos Yusuf Çetin von Istanbul bereichern. Sie konnten allerdings aus bestimmten Gründen an der Feier nicht teilnehmen. An ihrer Stelle war der Chorepiskopos Samuel Akdemir — ehemals Patriarchalvikar von Istanbul — anwesend. An der Tagung haben mehr als 125 syrische und deutsche Gäste teilgenommen. Darunter war auch der Erzbischof Mor Julius Yeshu Çiçek.

Das Programm begann mit der Vorstellung des Klosters Mor Gabriel und Tur ‘Abdins im Rahmen eines Diavortrags von Helga Anschütz und ihrem Ehemann Paul Harb. Dabei konnte ein erster Eindruck vom Leben im Kloster Mor Gabriel und der Syrer im Tur ‘Abdin gewonnen werden. Am nächsten Morgen referierte Wolfgang Hage, Professor für Orientalische Kirchengeschichte an der Universität Marburg, über die Bedeutung des Mönchtums für die Syrisch-Orthodoxe Kirche. Er hob in seinem Vortrag die Arbeit und das Verdienst der syrischen Mönche und Gelehrten nicht nur für die syrische Kirche, sondern auch für das Abendland insgesamt hervor. In den syrischen Klöstern wurde die Bildung gepflegt und von dort die griechische Philosophie — so Professor Hage — über die Araber dem Abendland vermittelt. Danach berichtete der Chori Samuel Akdemir über die neue Situation der syrischen Gemeinden in Ursprungsgebiet Tur ‘Abdin und im Auswanderungsort Istanbul, nämlich daß die Anzahl der Syrer in der Türkei ständig abnehme. Er brachte auch das Zusammentreffen der beiden Erzbischöfe der syrischen Diözesen in der Türkei mit dem Staatspräsidenten Süleymen Demirel und anderen türkischen Politikern in Ankara zur Sprache. Dabei setzten sie sich für die Rechte der Syrer im Lande ein. Mor Julius Yeshu Çiçek, der ehemalige Abt des Klosters Mor Gabriel und Gründer seines theologischen Seminars, sprach über die Bedeutung dieses Klosters und Tur ‘Abdins für die syrisch-orthodoxen Gemeinden in Europa. Dann berichtete er über das Gedeihen seiner Diözese und den Bau eigener Kirchengebäude. Aber er kritisierte auch die Haltung der von der CDU regierten Kommunen, die den Syrern keine Baugenehmigung für Kirchengebäude z.B. in den hessischen Städten Bebra, Wiesbaden und Gießen geben. Fehmi Aykurt aus dem “Mar Gabriel-Verein” in Hamburg schilderte in seinem Beitrag den neuen Stand des Asylrechts der Syrer in Deutschland. Er berichtete, daß die Lage der Asylsuchenden Syrer kritisch sei und manchen die Abschiebung in ihre Heimat drohe. Amill Gorges, der dort auch beim Dolmetschen immer mitwirkte, sprach über die kulturelle und religiöse Identität der Syrer in den verschiedenen Regionen in und außerhalb Mesopotamiens. Er hob auch den Rückgang der Syrer in Syrien und im Libanon hervor. Darüber hinaus setzte Helga Anschütz das Gespräch fort und verdeutlichte die Gründe ihrer Auswanderung aus den islamisch geprägten Ländern. Der Abend verlief festlich mit syrischen vorösterlichen Kirchengesängen, die von einem ausschließlich männlichen Chor gesungen wurden. Anschließend wurde ein historischer Dokumentarfilm über Tur ‘Abdin und Syrien gezeigt, der in den sechziger und siebziger Jahren von Anschütz und Harb für das deutsche Fernsehen gedreht wurde. Am Sonntagvormittag ging es in einer Podiumsdiskussion um das ungelöste Problem der Syrer in Bebra, weil die sogenannte christlichen Parteien den Syrisch-Orthodoxen den Bau eigener Kirchengebäude verbieten. Über den Verlauf dieses Streites berichteten Besim Erdan aus der betroffenen syrischen Gemeinde und die evangelischen Pfarrer H. Löwer und R. Staege sowie die Sozialpädagogin C. Becker aus Bebra. Dabei wurde die Politik der CDU kritisch erörtert.

Die Jubiläumsfeier des Klosters ging mit Ehrungen zu Ende. Der Erzbischof Mor Julius Yeshu Çiçek dankte Helga Anschütz und dem Studienleiter Georg Richter mit einem syrischen Geschenk für ihre Arbeit und ihr Engagement. Anschütz ist seit den 60er Jahren mit dem Kloster Mor Gabriel und dem Tur ‘Abdin befreundet. Sie filmt und schreibt über den Tur ‘Abdin und macht damit in der deutschen Öffentlichkeit auf die Verfolgung der Syrer aufmerksam. Der Erzbischof würdigte ebenfalls die Arbeit von Pfarrer Horst Oberkampf aus der Solidaritätsgruppe Tur ‘Abdin, der sich auch seit den 80er Jahren für die Syrer in Tur ‘Abdin engagiert.

Das Kloster Mor Gabriel in der Geschichte

Das Kloster Mor Gabriel oder das Kloster von Qartmin1 — so die in der syrischen Kirchengeschichte ebenfalls vorkommende Bezeichnung — wurde im Jahre 397 von Mor Shmuel (+409) und seinem Schüler Mor Shem ‘un (+433) durch “Anweisung des Engels des Herrn” gegründet. Dann wurde es im 7. Jahrhundert nach dem Bischof Mor Gabriel benannt, der von 634 bis zu seinem Tod im Jahre 668 dort residierte. Das Kloster wurde im Laufe der Zeit immer bekannter und zum Zentrum der syrischen Mönche. Obwohl es mit zwei Mönchen begann, stieg ihre Zahl später rasch an, so daß dort im 6. Jahrhundert bis 1000 Mönche zusammen lebten. Das Kloster war sowohl Exerzitienstätte der einheimischen Mönche, als auch für 800 Kopten, die sich zuerst als Händler nach Tur ‘Abdin begaben und dann im Kloster für ein asketisches Leben entschieden. Das Kloster Mor Gabriel spielt seit seiner Gründung bis heute eine wichtige Rolle im Tur ‘Abdin. Es ist nicht nur Kloster ausschließlich für die Mönche gewesen, sondern auch eine theologische Ausbildungsstätte für den ganzen Tur ‘Abdin und sogar für die syrische Kirche insgesamt. Die Klosterschule machte sich einen Namen und bildete sehr viele Kleriker und namenhafte Wissenschaftler aus; daraus gingen vier Patriarchen, ein Maphryono (Katholikos) und 84 Bischöfe hervor. Namentlich zu erwähnen wären u.a. Mor Yuhannun Sa ‘oro (+503), Bischof von Amida. Mor Philoxenos von Mabug (+523) — auch Mor Achsnoyo genannt2 — der sich dem Chalkedonismus widersetzte, war ein weltweit berühmter Theologe. Der Patriarch Theodosius Romanus (+896), der ein berühmter Mediziner war, und Patriarch Behnam von Hedil (+1454)3. Das Kloster verfügte übrigens über eine reiche, wertvolle Bibliothek, deren Manuskripte zum Teil von den großen syrischen Kalligraphen auf Pergament abgeschrieben wurden. In der Klosterbibliothek findet man heute nichts mehr von diesen Handschriften. Die meisten von ihnen wurden bei Verfolgungen geplündert oder verbrannt; nur einige wenige davon konnten gerettet und in europäischen Bibliotheken aufbewahrt werden. Das Kloster Mor Gabriel hat eine Geschichte hinter sich, von der mehrere altertümliche Kirchengebäude, Asketenstätte und viele Ruinen mit den Gräbern von “zwölftausend Heiligen” zurückgeblieben sind.

Das Kloster Mor Gabriel in der Gegenwart

Die Geschichte des Klosters Mor Gabriel am Beginn unseres Jahrhunderts war geprägt von dem grausamen Massaker von 1915, dem sogenannten Jahr des Schwertes. Alle seine Bewohner wurden damals auf Befehl der türkischen Regierung von den Kurden umgebracht und das Kloster wurde von ihnen vier Jahre lang besetzt. Erst ab 1919 konnte es nochmals von den Syrern bewohnt und geleitet werden. Unter der Leitung des Abtes Sabo Günes (+1962) konnte ab 1956 mit der Renovierung des Klosters und mit neuen Baumaßnahmen begonnen werden, die ab 1962 unter dem jungen Abt Yeshu Çiçek (gegenwärtiger Erzbischof von Mitteleuropa) fortgesetzt wurden. Dabei wurden die meisten Neubauten und der Kirchturm eingerichtet, die v.a. von dem Metropoliten der USA Mor Athanasius Y. Samuel (+1995) finanziert wurden. Die erste Autostraße zum Kloster wurde gebaut und Elektrizität durch einen Generator zum ersten Mal in der Geschichte des Klosters angeschafft, nicht zuletzt aber das Priesterseminar eröffnet, das noch bis heute im Betrieb ist. Als der Abt Samuel Aktas (gegenwärtiger Erzbischof vom Tur ‘Abdin) ca. 1972 die Leitung des Klosters übernahm, konnte mit weiteren Baueinheiten begonnen und bis heute weiter gebaut werden. Dabei sind im letzten Jahrzehnt die Wohneinheiten der Nonnen und der Seminaristen sowie des Bischofs zeitgemäß geworden. Die Möglichkeiten des Klosters wurden verbessert, der öffentliche Strom (1979), fließendes Wasser (1983) und Telefon eingerichtet. Außerdem wurden große Gartenanlagen für die Versorgung der Bewohner mit befestigter Mauer um das Kloster angebaut, wonach von den historischen Ruinen nichts mehr zu sehen ist. Die Ruinen hätten möglicherweise bei eventuellen Ausgrabungen eine bedeutende Geschichte dieses Klosters nachweisen können.

Das Kloster ist nun eine Burg und ein Zentrum für die Syrer im Tur ‘Abdin. Seit der Bischofsweihe seines Abtes Mor Timotheos Samuel Aktas ist es nochmals der faktische Bischofssitz vom Tur ‘Abdin geworden, obwohl es theoretisch noch immer die Stadt Midyat ist. Was die Anzahl der Bewohner des Klosters heute angeht, kann man sie sicherlich nicht mehr mit der Vergangenheit vergleichen, weil damals Tur ‘Abdin ausschließlich von den Syrern bewohnt war. Im Kloster leben zur Zeit außer dem Bischof zwei Mönche, ca. 15 Nonnen und 40 Schüler sowie drei Familien der Lehrkräfte und Mitarbeiter. Das Priesterseminar Mor Gabriel hat in den letzten 40 Jahren einen wichtigen Beitrag für die syrische Kirche und Kultur geleistet, denn viele von den Klerikern und Lehrern in verschiedenen Diözesen wurden hier ausgebildet und die syrische Sprache gepflegt. Bis 1980 konnten die Seminaristen intensiv in syrischer Theologie ausgebildet werden. Aber nachdem die türkische Regierung die syrischen Priesterseminare geschlossen hatte, mußten die Schüler dann in die türkische Schule täglich nach Midyat geschickt werden. Damit erschwert sich das geistliche Leben der Klosterbewohner, weil für sie nicht genügend Zeit für eine ausreichende theologische Ausbildung bleibt. Darüber hinaus steht das Kloster Mor Gabriel in einem Sozialdienst für die Syrer im Tur ‘Abdin. Durch den sogenannten Sozialfonds, der von den Organisationen Freunde des Tur ‘Abdin und Solidaritätsgruppe Tur ‘Abdin gegründet wurde, werden schwache syrische Familien in Notfällen unterstützt. Über das Kloster wird ebenfalls syrischen Pfarrern und Lehrer mit einem Zuschuß finanziell unter die Arme gegriffen, der vom Ökumenischen Rat der Kirchen gefördert wird.

Trotz der schwierigen Situation der Syrer im Tur ‘Abdin beginnt das Kloster Mor Gabriel mit diesen neuen Einrichtungsmaßnahmen nochmals mit neuer Blüte und schlägt seine Wurzeln mit einer hoffnungsvollen Zukunft tief in den Boden Tur ‘Abdins. Das Kloster möge weiterhin das Wahrzeichen vom Tur ‘Abdin und Zentrum für die Syrer und alle Besucher sein, damit der Vers aus dem Psalm 91, der als Tagungsspruch gewählt wurde, auch für das Kloster gilt: “Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe”.

* Dit artikel verscheen eerder op: http://www.gwdg.de/~grabo/news/jubiläum.html

1 Es wird aber auch in nichtsyrischen Sprachen als Deyr-ul-Umur (arab., türk.), Deyr ‘Amar oder Dayr ‘Umar (kurd.) genannt, hat aber nicht mit einem gewissen arabisch-islamischen Führer ‘Amar zu tun, wie manche es interpretieren wollen, sondern es ist eine typisch syrische Bezeichnung für ein Kloster. Noch heute wird es in der Schriftsprache als dayro d- ‘umro d-mor gabriel geschrieben. Ebenso hießen viele andere Klöster dayro d- ‘umro, z.B. das Kloster Mor Barsaumo in der edessanischen Region TurUrhoi oder das Kloster Dayr Za ‘faran. Vgl. J-B. Shabot, Chronique de Michel le Syrien, Bd. 4, Paris 1910, 633, 697; J. Abbeloos – Th.J. Lamy, Gregorii Barhebraei chronicon ecclesiasticum, Bd. 1, Löwen 1872, 509, 515, 517.

2 Im Bet-Kadishe des Klosters sollte sich eine Reliquie (Haupt) von ihm befinden.

3 Ph. J. Dolabani, Maktabzabne d- ‘umro qaddisho d-qartmin, Mardin 1959, 8 ff. [Text syrisch]; Ders., Deyr-el-umur Tarihi, [türk. Übers. C. Aydin], Istanbul 1971, 15 ff.

Heer, maak het stil in mijn hart: impressies van een Syrisch-katholiek klooster

door André de Raaij

In de wegenatlas van de Australische rugzakgidsenuitgeverij Lonely Planet staat het punt aangegeven als ruïne midden in het land, en eigenlijk moet men dit ook vooral blijven denken: Mar Mousa, ten oosten van de stad An Nabk kan en moet geen trekpleister worden voor mensen die een goedkoop logement zoeken in de woestijn. De ruïne ligt ruim een uur lopen langs een ezelpaadje door de bergen, vanaf een weg wel te verstaan die de naam ook niet verdient: meermalen kruist men een wadi die in de winter wellicht niet eens per auto te passeren is.

De belangrijkste indruk die ik heb overgehouden van het Syrische platteland (ik zou het beter de buitenstedelijke ruimte noemen, want “platteland” is zo’n aartsnederlands begrip dat niet past bij een land met veel heuvels en bergen) is: stilte en rust. In Nederland, en elders in West-Europa is de akoestische vervuiling van het autoverkeer alomtegenwoordig als voortdurende ruis. In Syrië is de situatie ongeveer andersom, vooral omdat automobilisten in de stad steeds willen laten horen dat ze op de weg zijn door middel van hun claxon. Wat is Amsterdam rustig, wat is het Nederlandse platteland druk.

Stilte als daadwerkelijk ontbreken van geluid kan alleen absoluut zijn, en is als zodanig een ontmoeting met het goddelijke. Kierkegaard wijst hier bijvoorbeeld op in verscheidene theologische geschriften. Maar een dergelijke ontmoeting met het absolute kan voor ons sterfelijke aardbewoners alleen maar zeer kortstondig zijn. Zij moet ook noodzakelijk reliëf krijgen door stiltedoorbrekend geluid. In de bergen of velden van Syrië is dat meestal een bromvlieg of een vogel (leeuwerik, bonte kraai, zelfs een zwerm gieren – maar die heb ik niet gehoord). Of het ruisen van gras of gewas. Stilte kan niet in gradaties uitgedrukt worden. De weg naar Mar Mousa is al stil, maar ‘s avonds of ‘s nachts – als ook vogels en insekten zich rustig houden – wordt de stilte alleen doorbroken door een enkele tinkelende geitenbel of een huilende hond. Een volmaakte plaats om de juiste stilte te ontmoeten.

Overdag, dient gezegd, is het merkwaardige klooster juist vol bedrijvigheid. Enkele nonnen afkomstig uit Italië hebben de geitenteelt professioneel ter hand genomen. Er is een kaasmakerij waar de dagelijkse melkgift wordt verwerkt voor eigen gebruik. Bij iedere maaltijd eet men zuivel afkomstig van de eigen kudde. In de kaasmakerij staat het enige elektrische apparaat dat op gangbare spanning werkt: zo’n blauw licht uitstralende staaf die insekten aanlokt en de diertjes afmaakt. In de kaasmakerij merk je dat dit gepaard gaat met een ploffend geluid, dat te vaak de rust doorbreekt – zo mag een vlieg eigenlijk niet de stilte doorbreken, het kwetst vlieg en stilte. Er is sprake van dat de capaciteit van het aggregaat wordt opgevoerd en dat er een koelkast in de kaasmakerij kan komen, moge dit snel gebeuren.

Het tinkelen van de bellen is nooit ver weg overdag, ook al worden de geiten in de bergen in de ruime omgeving gehoed. Stallen en verblijven van monniken en nonnen staan verspreid tegen de berg op. Sommige kluizen zijn tegen de rotsen aangebouwd met de stenen van de berg als deel van een muur. Een uit Irak afkomstige inmiddels uitgetreden monnik laat ons zijn verblijf zien – bereikbaar na een steile klim, net nog enigszins comfortabel en in ieder geval ook binnen de opstelling van het klooster afgezonderd.

Men moet zich bij de woorden “monniken” en “nonnen” niet mensen voorstellen in het uniform van de habijt. Tijdens de gebedsdiensten draagt men wel een pij, maar verder zijn de leden van deze gemengde communauteit uiterlijk niet te onderscheiden van “gewone wereldlingen”. U heeft intussen wel begrepen dat de ruïne zoals in het begin vermeld volop bewoond is. Waarom wordt het dan aangegeven als ruïne?

Het eenvoudige antwoord is, dat het kerkgebouw en het oorspronkelijke klooster dit ook waren, in de loop van deze eeuw overgegeven aan de elementen en geregeld in bezit genomen door langstrekkende herders, bezocht door rovers die de religieuze kunstuitingen al dan niet met sukses kwamen halen, of passanten die graffitti kwamen aanbrengen. Al deze sporen zijn terug te vinden in de kerk, die echter sinds 1983 weer in gebruik is genomen, op initiatief van een Italiaanse en een Zwitserse monnik die al spoedig versterking kregen. Van buiten is er niet meer te merken dat het klooster een ruïne geweest is. In de kerk zijn er de al genoemde sporen die echter het door de tijd beproefde karakter van de ruimte onderstrepen: de oudste schilderingen dateren van de dertiende eeuw, als ik het mij goed herinner.

Zoals gebruikelijk in Syrische boerenwoningen neemt men in de kerk plaats op de grond, die hier gedekt is door huiden van geiten uit eigen kudde. Als wij het klooster bezoeken is het volgens de Gregoriaanse kalender Pinksteren, en in de Syrisch-katholieke kerk houdt men deze tijdrekening aan. Er zijn twee gebedsdiensten van een uur per dag, om praktische redenen, men kan immers de geiten niet alleen laten of steeds naar de stal laten lopen. Maar de vespers voor Pinksteren duren veel langer dan een uur. De dienst gaat merkwaardig informeel, kloosterlingen knikken naar elkaar of praten over hoe de dienst verder gaat (die indruk wekken zij althans). Gezang wordt soms omlijst met een trommel en een eenvoudig snaarinstrument. De dienst is in het Arabisch, de niet-Arabischtaligen worden uitgenodigd in hun eigen taal een gebedsintentie te laten horen, de Pinkstergeest zal wel voor de vertalingen zorgen, verzekert de abt in het Engels. Ook schriftlezing vindt gedeeltelijk in de eigen taal van de gasten plaats. Zoals altijd ben ik net te laat om het woord te nemen in het grote gezelschap. Mijn luid bonzende hart moet eerst de ergernis over het gebruik van de term Jahweh in de verstaanbare bijbellezing verdragen, en de lichte angst terwille van A. die na de lange tocht hierheen als diabete meer dan anderen allang aan voedsel toe moet zijn – wat een lange dienst op den duur tot een bijna onaanvaardbare oefening in versterving maakt. Zij weet tenslotte weg te sluipen (de lage deuropeningen laten geen andere beschrijvende term toe) naar de keuken. Mijn intentie, naar Kierkegaard of Serge Bolshakoff: Heer, maak het stil in mijn hart. Dit lukt later wel, de omgeving helpt vanzelf.

Veel in Syrië blijkt uit te nodigen tot persoonlijke herkerstening, ook al zou men dit wellicht niet denken omdat de meeste mensen het land met Islam zullen identificeren. Niet dat dit laatste ongerechtvaardigd is, maar er is zeker zoveel dat blijvend verwijst naar Christendom en Jodendom. Wij komen hierop terug. Als wij vertrekken van het klooster lopen twee mannen ons tegemoet aan de overkant van de wadi waarlangs het ezelpad voert. Zij groeten niet, zoals men zou verwachten hier in de verlatenheid. Zwijgend en misschien wel gegeneerd maken zij rechtsomkeert en lopen zo snel weg dat ze al gauw uit het zicht zijn. Hoe geheim moet geheime politie zijn?

Het klooster Mar Mousa zij rust toegewenst, afwezigheid van aandacht van geheime politie en rugzaktoerisme, een ruimere elektriciteitsvoorziening en de kracht om door te zetten. En misschien vrijwaring van aardbevingen, al is de leeftijd van het hoofdgebouw indrukwekkend genoeg – maar weten kan men het niet.

Literatuur

Erica Cruikshank Dodd: ‘The monastery of Mar Musa Al-Habashi, near Nebek, Syria’, in: Arte medievale (1992), p. 61-102.